Alex Podolinsky

Alex Podolinsky

29 August 2019 | Sebastian Jüngel

Alex Sergej de Podolinsky – so sein ‹offizieller› Name – vereinte in sich künstlerische Sensibilität, Tatkraft und Hartnäckigkeit. Er wurde in Baden-Baden (DE) geboren; sein Vater kam aus einer ukrainischen Adelsfamilie, seine Mutter war Deutsche.


Alex Podolinsky hatte mehrere Geschwister und die Zwillingsschwester Alika. Wegen des Nationalsozialismus kamen die Zwillinge auf ein Internat in Großbritannien. 1938 waren sie am Goetheanum, bekamen Unterricht von Anthroposophen und besuchten die von Marie Steiner geleiteten Eurythmie-proben und -aufführungen. Bei einem Verwandtenbesuch 1939 in Freiburg in Breisgau wurden sie in Deutschland zurückgehalten. Sie besuchten nun die Schule in Salem. Während des Zweiten Weltkriegs musste Alex Podolinsky in der Wehrmacht dienen. Nach dem Krieg studierte er in Freiburg im Breisgau unter anderem Philosophie, wohl auch bei Martin Heidegger.

Ins Land der Sonne

Der dreijährige Alex hatte ein prägendes Erlebnis von der strahlenden Morgensonne. Später, im britischen Internat, ging ihm an einem Klassenkameraden aus Australien auf, dass er in ein Land der Sonne wollte. Nicht zuletzt wegen des zurückliegenden Mordens wanderten Alex Podolinsky und seine Frau Kathrin 1949 nach Australien aus, wo sie sieben Kinder bekamen.

Dort arbeitete er zunächst in einem Immigrantenheim, beteiligte sich an Gründung und Bau von Waldorfschulen in Aus­tralien und Neuseeland. Zudem entwarf er Privathäuser. Akus­tik war für ihn die Seele eines Gebäudes. Zudem schätzte er Musik, hatte Flöte gespielt und schon als Kind konzertiert.

Auf seine etwa 1946 gestellte Frage nach der Zukunft von Leben fand er die Antwort im «sich fortpflanzenden Leben». Er wurde Landwirt und entwickel­te die australische Methode des biodynamischen Anbaus, bezogen auf die Besonderheiten eines Landes mit sehr großen Ackerflächen. Um 1960 gründete er die Biodynamisch-Landwirtschaftliche Vereinigung von Australien und das biodynamische Forschungsinstitut.

Er besuchte die biodynamischen Landwirte in Australien und setzte sich für die biodynamische Methode auch in Südafrika und Europa ein. Dabei kam nicht nur seine enorme Willensstärke zum Einsatz. Als die Australian Broadcasting Corporation über Alex Podolinsky berichtete, soll er Rückmeldungen an den Sender handschriftlich beantwortet haben.

Genie und Kämpfer

Eine andere Seite seines Wesens war, dass er anderen zusetzte, wohl durch sein Bedürfnis, in der Sache nichts falsch machen zu wollen. Und das war sozial schwierig. Ueli Hurter, Co-Leiter der Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum, hielt in seinem Brief an die Familie und Freunde fest: «Er war ein Genie und ein Kämpfer. Seine Einsichten in das Leben des Bodens und der Pflanzen sowie sein En­gagement für die Präparate gingen tief und waren von Feuer.» Auf demeter.org.au wird Alex von Podolinsky zitiert mit dem Satz: «Durch die biodynamische Landwirtschaft sind wir Erzeuger von Gesundheit, nicht Heiler von Krankheit.»


Quellen diverse