Anthroposophie unterstützen, ohne Mitglied zu sein

Anthroposophie unterstützen, ohne Mitglied zu sein

29 August 2019 | Marc Desaules

Der Fonds Goetheanum – eine Initiative der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz – ist zu einem wichtigen Instrument zur Unterstützung der anthropo­s­ophischen Forschung geworden und wurde zu einer Art Bewegung über die Grenzen der Anthroposophischen Gesellschaft hinaus.


Viele Menschen schätzen und nutzen anthroposophische Produkte wie Demeter-Lebensmittel, Kosmetika und Arzneimittel sowie Dienstleistungen wie Kliniken, Waldorfschulen, Einrichtungen der Heilpädagogik und Sozialtherapie und anderes, wissen aber oft wenig über die innere Qualität oder die zugrundeliegende langjährige Forschungsarbeit. Ziel des Fonds Goetheanum ist es, diese ‹Früchte› der Anthroposophie verständlich und breit zu vermitteln sowie ihre Entwicklung zu unterstützen.

Zugänglichmachen anthroposophischer Früchte

Im Laufe der Jahre wurden mehrere achtseitige Ausgaben einer Zeitung zu unterschiedlichen Themen produziert, etwa über die Rolle der Hörner der Kühe, eine menschliche Medizin, Entwicklungsstufen in der Erziehung, Überstützung zur Unabhängigkeit, Würde am Ende des Lebens, die Quellen der Kunst, wirtschaftliche Solidarität, Bienen und ihre Beziehung zu uns, Verantwortung in der Saatgutzucht, das Belassen unserer Kindheit, die Illusion des unbegrenzten Wachstums, Mistel und Krebs sowie biodynamische Präparate. Das Thema der Ausgabe in diesem Herbst wird ‹Klimawandel› sein. Die Autoren sind Praktiker, Wissenschaftler, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Künstler, die sich den Herausforderungen unserer Zeit stellen.

Diese Ausgaben werden jeweils in mehreren 100 000 Exemplaren in einer Sonntagszeitung beigelegt, beispielsweise auf Deutsch der ‹NZZ am Sonntag›, der ‹Sonntagszeitung›, der ‹Schweiz am Sonntag›, zuletzt ‹Schweiz am Wochenende› sowie auf Französisch in ‹Le Temps›. Bisher waren dies insgesamt dreizehn groß angelegte Informationskampagnen. Zu ihnen gehört jedes Mal ein Aufruf zur Unterstützung anthropo­sophischer Forschung und Entwicklung im Gebiet des jeweils behandelten Themas.

Für Verbände und Sektionen

Auf diesem Weg kommen viele kleine Spenden – im Durchschnitt 60 Franken – zusammen, nach Abzug von Druck- und Kampagnenkosten in zehn Jahren mehr als 1,2 Millionen Franken. Die Spenden kommen hauptsächlich aus der Öffentlichkeit und bilden heute eine starke und wachsende Bewegung von rund 5000 Sympathisantinnen und Sympathisanten am Rande der Anthroposophischen Gesellschaft in der Schweiz mit ihren 3500 Mitgliedern (nur jeder achte Spender ist ein Mitglied) – es sind alles Menschen, die Jahr für Jahr die Früchte der Anthroposophie unterstützen.

Diese Gelder gehen unmittelbar zur anthroposophischen Forschung, das heißt ohne zusätzlichen Verwaltungsaufwand. Werden die Mittel von der gemeinnützig anerkannten und steuerbefreiten Anthropo­sophischen Gesellschaft in der Schweiz eingezogen, entscheidet nicht ihr Vorstand über die Verteilung, sondern zu 50 Prozent die vom Thema betroffenen Landes-Berufsverbände und zu 50 Prozent die entsprechend zuständigen Sektionen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum.

Nach Abschluss einer Kampagne haben die Verbände und Sektionen freien Zugang zu diesen Mitteln nach ihren Bedürfnissen und Initiativen, indem sie einfach einen Überweisungsauftrag an die Anthropo­sophische Gesellschaft senden, die nur treuhänderisch tätig ist. Die Mittel werden also nicht auf der Grundlage aufwendiger Antragsunterlagen durch eine Vergabekommission vergeben. Der Wirkungsgrad ist maximal.

Auf andere Länder übertragbares Konzept

Die Idee einer Initiative wie die des Fonds Goetheanum, die auf der Anerkennung der Früchte der Anthroposophie durch die breite Öffentlichkeit basiert, ist nicht neu. Sie ist eine der drei finanziellen Komponenten, die Rudolf Steiner bei der Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft auf der Weihnachtstagung 1923/24 formuliert hat und die sich wie folgt zusammenfassen lässt: dass diejenigen, die nicht Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft werden wollen, aber sehen, dass in einer fruchtbaren Weise auf anthroposophischer Grundlage gearbeitet wird, diesen Ansatz unterstützen.

Die Erfahrung mit dem Fonds Goethe­anum in der Schweiz könnte von anderen Ländern auf die eine oder andere Weise aufgegriffen werden. Die jeweiligen anthroposophischen Landesgesellschaften könnten sich für den Impuls des Goetheanum engagieren, indem sie unterstützen einerseits lokal die Forschungs- und Entwicklungsarbeit in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen im eigenen Land und andererseits allgemein das, was vom Goetheanum in Dornach (CH) aus geschieht. So könnte sich die Idee einer Anthroposophischen Weltgesellschaft als Konföderation von Ländergesellschaften herausbilden, die gemeinsam für den universellen Impuls des Goetheanum eintritt.


Aus dem Französischen von Sebastian Jüngel.

Web www.fondsgoetheanum.ch