100 Jahre Lebensforschung

100 Jahre Lebensforschung

24 Oktober 2021 Wolfgang Held 259 mal gesehen

‹Evolving Science› hieß die Tagung der Naturwissenschaftlichen Sektion, die zugleich Feier des hundertjährigen Bestehens des Forschungsinstitutes der Sektion war. Günther Wachsmuth und Ehrenfried Pfeiffer stellten damals die Frage, ob es ein Reagenz gebe, mit dem man das Lebendige nachweisen könne.


Daraus ist dann, so Johannes Kühl, die erste bildschaffende Methode, die Kupferkristallisation, entstanden. Als nächster Biologe kam Herrmann Poppelbaum als Leiter an die Sektion. Er sah seine Aufgabe darin, die damalige Biologie und Evolutionslehre kritisch zu befragen, zu ergänzen und umzuwandeln. Vor allem seine Tierwesenskunde fand im anthroposophischen Feld breites Echo. Als Akademiker wollte er das goethesche Gedankengut in die Wissenschaft bringen. Auf ihn folgte dann Jochen Bockemühl, der, so Johannes Wirz, erkannt habe, dass das Reagenz des Lebens die Lebewesen selbst seien, und daraus folgerte, dass man selbst dazugehöre. Das habe die gesamte Arbeit umgestülpt. Johannes Wirz: «Als ich an die Sektion kam, sagte mir Jochen, als Wissenschaftler dürfe man nur über das reden, was man erfahren habe. Da bleibt aber nicht so viel übrig, habe ich geantwortet, und er nickte. Zugleich ging eine Akademisierung der wissenschaftlichen Arbeit weiter. Mit ‹ifgene› wurden erstmals nicht anthroposophische Biogenetiker ans Goetheanum eingeladen, was in der Folge Promotionen am Forschungsinstitut möglich machte.» Da musste man, so Wirz, der akademischen Wissenschaft gerecht werden und wurde in der akademischen Öffentlichkeit sichtbar. Ein Meilenstein waren dabei die Studien von Ruth Richter und Johannes Wirz zu gentechnisch veränderten Kartoffeln. Die beiden Forschenden konnten zeigen, dass die Veränderung weniger Gene die Pflanze als gesamten Organismus verwandelt. Die Gene, so Wirz, gehören nicht zum Archetyp der Pflanze, sondern zu den Bedingungen, unter denen das Wesen der Pflanze sich manifestiert. So wie die Veränderung äußerer Bedingungen das ganze Wesen der Pflanze ergreift, so müsse auch eine veränderte Keimbahn die Pflanze integral wandeln. Das konnten die beiden Biologen zeigen.


Dieser Artikel wurde ursprünglich in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› veröffentlicht.

Titelbild: Glashaus, Sitz der Naturwissenschaftlichen Sektion. Foto: Screenshot aus der Videoeinladung zur Tagung.