Arbeitsweise in Corona-Zeiten bis Ende 2021

Arbeitsweise in Corona-Zeiten bis Ende 2021

27 Oktober 2020 | Ueli Hurter & Justus Wittich

Die Goetheanum-Leitung in ihrer Verantwortung für die Ausrichtung der Sektionen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und des Goetheanum als Arbeitsplatz, Forschungsstätte, Tagungs- und Festspielhaus wird seine Aufgaben zunächst bis Ende 2021 in folgender Weise realisieren.


Durch die von der WHO erklärte Corona-­Pandemie und die damit zusammenhängen­den kulturellen, sozialen und wirtschaft­lichen Veränderungen in vielen Ländern ist eine neue gesellschaftliche Realität entstanden. Auch das Goetheanum und die weltweite anthroposophische Bewegung sind davon direkt und vielfach betroffen. Zahlreiche Einrichtungen und Kunstschaffen­de sind in ihrer Existenz akut bedroht, und alle Reisetätigkeit ist auf längere Zeit massiv eingeschränkt.

Multiperspektivische Initiativen

Wir erachten das Gesamtphänomen der Corona-Pandemie aus medizinisch-wissenschaftlicher und aus gesellschaftspolitischer Sicht als eine symptomatische Zeiterscheinung. Durch sie werden grundsätzliche wie praktische Fragen unserer Zivilisation, unseres Umgangs mit dem Lebensorganismus der Erde, der Gesundheit des einzelnen Menschen sowie die Art unseres kulturellen und sozialen Zusammenlebens aufgeworfen.

Die Goetheanum-Leitung sieht in einer ausschließlich naturwissenschaftlichen Sicht auf Corona keine ausreichende Perspektive. Die vorliegenden Erklärungen und darauf beruhenden staatlichen Maßnahmen dürfen und müssen jeweils im konkreten Kontext kritisch reflektiert und in Bezug auf ihre Verhältnismäßigkeit diskutiert werden. Die medizinischen, gesundheitspolitischen, gesellschaftlich-sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen sind komplex und betreffen sehr viele Menschen und Situationen auf der ganzen Welt. Entsprechend sind jetzt multiperspektivische Initiativen und eine integrierende soziale Praxis sowie eine aktive Förderung und Teilnahme an künstlerischer Betätigung gefragt. Erste Einschätzungen und Ausblicke in dieser Richtung haben die Mitglieder der Goetheanum-Leitung im Buch ‹Perspektiven und Initiativen zur Corona-Zeit› dargestellt.

Die aufgeworfenen Erkenntnis- und Lebensfragen erfordern für eine Urteilsbildung eine intensive Bearbeitung aus verschie­denen Fachperspektiven. Die Goetheanum-­Leitung hat sich deshalb in den elf Sek­tionen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft für die kommenden zwei Jahre einen Arbeitsschwerpunkt gegeben, der mit Blick auf die Corona-Pandemie, die Klimaproblema­tik sowie die Technisierung und Digitalisierung die Frage nach dem Leben­digen, das heißt dem Lebensorganismus Erde und den Lebens- und Gesundheitskräften des Menschen, in den Mittelpunkt stellt.

In einer ersten Vortragsreihe ‹Zur Signatur der Gegenwart› wird diesen Themen nachgegangen (siehe unten). Die Vorträge sind jeweils eine Woche später als Video abrufbar.

Veranstaltungen mit Schutzkonzepten

Die Goetheanum-Leitung und die Betriebsleitung bemühen sich, unter strikter Einhaltung der Covid-19-Verordnungen in der Schweiz und im Standortkanton Solothurn möglichst viele künstlerische Veranstaltungen, Kultur und menschlich-soziale Begegnungen in Kolloquien und Fachtagungen am Goetheanum zu ermöglichen. Dazu gehören die ‹Faust›-Festspiele im Juli 2021 und die Aufführung der vier Mysterien­dramen von Rudolf Steiner zu Weihnachten 2020. Je nach Art der Veranstaltung wird eines der vier Schutzkonzepte im Goethe­anum zur Anwendung kommen. Mit der ‹Faust›-Premiere im Juli und der Jahres­konferenz der Medizinischen Sektion im September 2020 hat das Goetheanum in dieser Richtung ein deutliches Zeichen gesetzt.

Viele Menschen – insbesondere aus außer­europäischen Ländern – können aktuell nicht reisen. Die Goetheanum-Leitung macht es sich deshalb zur Aufgabe, den Kontakt zu diesen Menschen nicht abreißen zu lassen, sondern nach Möglichkeit und mit beiderseitigem Willen sogar zu inten­sivieren. Wir möchten die aktuelle Situation als Möglichkeit ergreifen, für die weltweite Anthroposophische Gesellschaft neue Formen zu entwickeln.

Das Goetheanum wird aktiv und differenziert mit den Möglichkeiten der digitalen Kommunikation umgehen. Wir arbeiten an einem Konzept mit drei Veranstaltungsarten:

1. Veranstaltungen, die nur vor Ort stattfinden

2. Veranstaltungen und Formate, bei denen es in Ergänzung des Geschehens im Goetheanum eine digitale Version gibt, bei der Menschen auch aus der Ferne interaktiv teilnehmen können

3. Formate, die nur digital sind, wie Videos, Webseminare und andere

Die Goetheanum-Leitung möchte den Dialog fördern – sowohl innerhalb der anthroposophischen Bewegung wie auch im gesellschaftlichen Diskurs unserer Zeit. Im Rahmen der Möglichkeiten werden wir versuchen, adäquate Dialogforen ein-zurichten oder zu unterstützen.


Vortragsreihe ‹Zur Signatur der Gegenwart›: Wegen des Corona-Schutzkonzepts bitte mit Name und Adresse voranmelden; für den Bezug von Tickets an der Abendkasse bitte genügend Zeit einplanen (Öffnungszeit: 18 bis 20 Uhr).

Für die Goethe­anum-Leitung: Ueli Hurter und Justus Wittich