Aus dem Herzen sprechen, aus Mut handeln

Aus dem Herzen sprechen, aus Mut handeln

27 November 2019 | Johannes Kronenberg

2010 forderte Stéphane Hessel (FR) in einem Essay: ‹Indignez-vous!› (Empört euch!). 2018 initiierte Sahra Wagenknecht (DE) die linke Sammlungsbewegung ‹Aufstehen›, und Greta Thunberg (SE) begann mit dem ‹Schulstreik für das Klima›, heute ‹Fridays for Future›. Auch Mitglieder der Jugendsektion begreifen sich als Teil der neuen Jugendbewegung.


Der Herzschlag der Gesellschaft scheint einen rasanten Wandel durchzumachen. Er erfasst inzwischen alle Menschen und trägt den Namen ‹Klimakrise›. Der Druck steigt, Angst wird artikuliert, Anschuldigungen werden geäußert. Es gibt aber auch Zeichen der Hoffnung und Ermutigung. Eine individuelle und gemeinschaftliche Haltung zu gewinnen – aus sich selbst heraus und aus Verantwortungsgefühl –, wird immer dringlicher. Die Fragen sind: Wie stellst du dich, wie stellen wir uns zu dem, was wir aufnehmen? Wie reagierst du, wie reagieren wir? Wie überwinden wir die Erzählung von Trennung, Reduktionismus und Profit und kommen zu einer neuen Erzählung, die für eine Erneuerung der Verhältnisse die Kraft des Einzelnen mit der der Gemeinschaft verbindet?

Neue Jugendbewegung

Inmitten dieses Sturms kündigt sich der Aufbruch einer neuen Jugendbewegung an. Eine, die aus dem Herzen spricht und aus dem Mut handelt. Einige der jungen Menschen füllen die Straßen, analoge und digitale, und stehen aufrecht ein für das, was sie wollen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Jugend­liche auf den Weg machen. Bereits vor über hundert Jahren leistete die Wandervogelbewegung Widerstand gegen die industrielle Revolution und die Technisierung der Gesellschaft. Heute geht es in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um das Klima und darum, Druck auf die Politik auszuüben. Daher gibt es Versuche, die Welt mit Technologie auf ‹grüne› Weise zu retten, aber auch das lässt den Profit weiter steigen und verändert das Grundproblem nicht. Das Internet verbraucht große Mengen an Energie, und alle Kennwerte in der Produktion, im Konsum und in der Förderung nehmen weiter zu. Eine neue Erzählung, eine neue Perspektive werden dringend benötigt.

Als Jugendsektion am Goetheanum und als Teil dieser neuen Jugend wollen wir tiefere Schichten des Geschehens denkend nachvollziehen, verstehen und darüber sinnen, was wir tun können. Wir wollen uns über die Möglichkeiten neuer Perspektiven, Lebensweisen und Begegnungsformen frei, verantwortlich und engagiert austauschen. Wir wollen uns in die Debatte einbringen, die Herausforderungen der Klimakrise annehmen und ihre Entstehung erschließen.

Soziale Dimensionen

Polarisierungen beeinflussen das Jung­sein – und wirken auf das Menschsein in einer komplexen, bewegten Welt, die in eine noch unbekannte Dimension führt. Das ist etwas, was wir nicht allein tun können – wir laden alle ein, die sich damit verbunden fühlen, mitzumachen, unser Verständnis des Menschen in den gegebenen Ökosystemen und den geschaffenen sozialen Dimensionen zu vertiefen.


Aus dem Englischen von Sebastian Jüngel.

February Days
Bound to Earth. Freedom, Responsibility and Destiny in times of Climate Crisis, 30. Januar bis 2. Februar 2020, Goetheanum Benefizkonzert Bê Ignacios, 31. Januar 2020, 20 Uhr, Goetheanum

Kontakt mail@youthsection.org, Web www.youthsection.org

Veranstaltung der ‹(Re-)Search›-Gruppe www.youthsection.org/invitation-research-colloquium-at-the-goetheanum-7-8-december-2019