Christoph Graf

Christoph Graf

28 Januar 2020 | Ingrid Everwijn

Als Christoph Graf am 30. November 2019 über die Schwelle ging, war das für seinen weiten Umkreis ganz unerwartet. Hatte er doch, wie eine Kursteilnehmerin berichtet, noch elf Tage zuvor so vital, lebendig und intensiv unterrichtet, dass ein plötzlicher Abbruch undenkbar erschien.


Beim Abschiednehmen begegnete man seinem entspannten, fast heiteren Antlitz, das wie immer viel sagte und viel verschwieg, und seinen Händen, die noch immer von der Strahlkraft seiner Eurythmie zeugten.

Eurythmie als Kulturimpuls

In Winterthur (CH) geboren, fand er nach einem Musikstudium (Flöte) schon jung zur Eurythmie. Lea van der Pals war seine Lehrerin, seine Kollegin an der Goetheanum-Bühne, und sie war es auch, die ihn in die Ausbildungstätigkeit integrierte und ihm 1986 die Verantwortung für die Eurythmieschule übergab, die er bis 2002 leitete. Sein Unterrichtsstil war anregend und freilassend. Immer öffnete er neue Türen, provozierte Fragen und weckte die Begeisterung fürs Selber-Weiterforschen.

Seine Laienkurse waren so beliebt, dass er aus der Frage nach einer Ausbildung für Menschen, deren Lebenssituation keine Vollzeitausbildung erlaubte, bereits 1987 eine Teilzeitausbildung einrichtete – damals ein Novum.

In Zusammenarbeit mit zum Beispiel Georg Glöckler, Rudolf Kutzli und Menschen aus der Tanz- oder Musikszene entstanden öffentliche Seminare, bei denen sich Vorträge, Kurse und die Aufführungen des Aphaia-Ensembles (DE) zu einer Einheit zusammenfügten. Eine besondere Beziehung hatte er zu Ibrahim Abouleish, dem Gründer von Sekem (EG). Dort baute er ganz aus den gegebenen Verhältnissen eine intensive Eurythmiearbeit und -ausbildung als umfassenden Kulturimpuls auf.

Arabischer Kulturraum

Es entstanden viele künstle­rische Aufführungen auf Arabisch, so die ‹Zauberflöte› von Wolfgang Amadeus Mozart, ‹Faust 1› (gekürzt) und das Märchen von Johann Wolfgang Goethe, das Märchen vom Quellenwunder Rudolf Steiners, arabische Märchen, Gedichte von Gibran, Rumi und weiteren arabischen Dichtern. Damit verankerte Christoph Graf die Eurythmie im arabischen Kulturraum.

Auch dort verehrten ihn die Menschen und wurden von der Nachricht seines Todes tief berührt. Die Eurythmistin Mar­tina Dinkel schrieb: «Man muss Christoph tatsächlich als einen ‹Eurythmie-Vater› sehen. Er war ein Träger der Eurythmie. Ein Lichtträger, eben ein Christo­phorus.»

Sein eurythmisches Wirken war kulturstiftend und tief von anthroposophischen Impulsen durchdrungen. Seine Kurstätigkeit und die künstlerischen Tourneen des Aphaia-Ensembles führten ihn durch zahlreiche Länder. Erst in den letzten fünf Jahren reiste er nicht mehr so viel.

Er widmete sich liebevoll seinen elf Enkeln und spielte Harfe. Bis zuletzt unterrichtete er und begeisterte Menschen für die Eurythmie. Im Kursangebot der Ausbildung Eurythmeum CH, im Haus, das durch seine Initiative gebaut wurde und das heute von über 50 Vollzeitstudierenden aus aller Welt belebt wird, hinterlässt er eine große Lücke.


Web www.eurythmeum.ch