«Die Farben des Schattens»

«Die Farben des Schattens»

29 Juni 2021 Sebastian Jüngel 117 mal gesehen

Die Goetheanum-Bühne spielt im Juli vier Mal ‹Faust 1 und 2› von Johann Wolfgang Goethe in Regie von Andrea Pfaehler und Eduardo Torres (Eurythmie). Zu den Neuerungen in der Wiederaufnahme gehört die Darstellung Euphorions als Puppe.


«Aus dem Käfig des Wissens will Faust ins Leben, und er weiß, dass er dazu dem Teufel die Hand reichen muss», sagt Wolfgang Held, Dramaturg der Neuinszenierung von Johann Wolfgang Goethes ‹Faust 1 und 2› am Goetheanum.

Die Regisseurin Andrea Pfaehler hat Qualitäten von Mephisto auf vier Spielende verteilt, die vier Schatten der Seele repräsentieren: den weisen Alten, den scheinbar Freundschaftlichen, den sinnlich-leidenschaftlich Verführenden und den manipulativ (verborgen) arbeitenden Mephistopheles, der Faust durchs Leben treibt.

«Faust wird den Teufel sein ganzes Leben nicht mehr los», sagt Andrea Pfaehler und zeigt, dass beide voneinander abhängig sind und sich der Schatten durch Schönheit und Empathie verwandelt. Mit dem Vers «Liebt das Böse – gut» aus dem Gedicht ‹Brüder› von Christian Morgenstern hat sie der Inszenierung ein Motto gegeben.

Die Szene mit Euphorion im dritten Akt von ‹Faust 2› wird – gemäß einer Anregung von Johann Wolfgang Goethe – als Kurzoper gezeigt (Musik: Elmar Lampson); Euphorion, das Kind von Helena und Faust, wird in der Wiederaufnahme neu als Puppe (Stefan Libardi) dargestellt.

Die Goetheanum-Bühne zeigt seit 1938 weltweit einzigartig den ungekürzten Gesamt-‹Faust›. «Die diesmalige kürzere, neunstündige Spielfassung mit offenem Szenenwechsel erlaubt eine leichtfüssigere Erzählung der großen Geschichten», so Wolfgang Held.


Web faust.jetzt (vier Aufführungen mit Rahmenprogrammen)

Titelbild: Faust und Mephisto, Foto: Lucia Hunziker