Dort, wo die Menschen anzutreffen sind …

Dort, wo die Menschen anzutreffen sind …

27 Januar 2020 | Laura Scappaticci & Ann Arbor

Die Anthroposophische Gesellschaft in den USA sucht den Kontakt zu den Menschen an den Orten, wo sie anzutreffen sind. Dazu gehört auch das Internet. Nicht weniger wichtig sind jedoch die unmittelbaren Begegnungen wie die Jahrestagung und Generalversammlung von 10. bis 13. Oktober 2019 mit fast 900 Teilnehmenden.


Die Anthroposophische Gesellschaft in den USA bemüht sich, der kommenden Generation dort zu begegnen, wo sie sich aufhält. Das bedeutet, dass wir uns auf neue Weise sichtbar machen müssen. Zuallererst begrüßen wir sie mit einem warmen Lächeln und der Bereitschaft, ihnen unvoreingenommen zuzuhören. Durch intensives Zuhören öffnen wir uns der Gegenwart eines Liebewesens, das nur dann unter uns erscheint, wenn wir wirklich füreinander offen sind. Deshalb ist Biografiearbeit wesentlicher Teil all unserer persönlichen Zusammenkünfte.

Wir schaffen Gelegenheiten für vertiefende Gespräche über Themen des 21. Jahrhunderts wie Gerechtigkeit im Sozialen und der Erde gegenüber sowie menschliches Zusammenleben. Wir laden junge Menschen ein, Verantwortung bei unseren Veranstaltungen und in unseren Organisationsstrukturen zu übernehmen. Darüber hinaus schaffen wir soziale Räume durch technische Möglichkeiten, indem wir zum Beispiel kostenlose digitale Plattformen für junge Menschen bereitstellen. Wir haben gerade unsere ersten Onlinetreffen zu den Heiligen Nächten mit fast 900 Teilnehmenden aller Altersgruppen aus der ganzen Welt veranstaltet. Es bildeten sich kleine Gruppen zu verschiedenen Themen, bei denen Herzlichkeit und Freude deutlich spürbar waren.

Begegnungen und Liveübertragung

Unsere Generalversammlung und Landestagung in Atlanta, Georgia, war ein Beispiel dafür, wie sich persönliche Begegnungen, Jugendarbeit und technische Möglichkeiten sinnvoll vereinen lassen. Atlanta liegt im Herzen des ‹Südens› und ist ein Teil unseres Landes, der sowohl für seine Gastfreundschaft und Vielfalt als auch für seine Geschichte rassistischer Unterdrückung bekannt ist. Der Hinweis auf soziale Gerechtigkeit war daher keine Nebenbemerkung oder etwas, was wir als von unserer Arbeit getrennt ansehen.

Gedanken von Martin Luther King Jr. und Marjorie Spock bereicherten unser Thema ‹Menschenbegegnung: Freiheit, Ver­antwortung und Liebe›; auch leitete uns Rudolf Steiners Hoffnung auf eine wahre und unsentimentale Liebe. Andrea de la Cruz von der Jugendsektion am Goetheanum und Patrick Kennedy von der Christen­gemeinschaft moderierten Gespräche zum Tagungsthema und regten an, dass wir uns durch Offenheit und vertiefte Praxis und kreative innere Arbeit für die Begegnung mit uns selbst und mit anderen vorbereiten. Ihre Impulsbeiträge wurden für jeden im Land und in der Welt live übertragen.

Was einen betrifft, betrifft alle

Wir laden Sie ein, mit zwei unserer Eröffnungszitate zu arbeiten, als Anregung für das, was in einer Zeit möglich – und unerlässlich – ist, in der wir dem hundertjährige Bestehen der Anthroposophischen Gesellschaft entgegengehen.

«Ungerechtigkeit, wo immer sie auftritt, bedroht die Gerechtigkeit überall. Wir sind in einem unentrinnbaren Netz der Gegenseitigkeit gefangen, in ein gemeinsames Schicksalsgewand eingebunden. Was immer einen direkt betrifft, betrifft alle indirekt.» Das schrieb Martin Luther King Jr. in seinem Brief aus dem Gefängnis in Birmingham am 16. April 1963.

«Es gibt nur eine sichere Hoffnung, und die ist noch unerfüllt: dass wir sowohl unser Wissen als auch unsere Praxis auf Esoterik gründen. Denn Esoterik allein ermöglicht es, den Menschen als Ganzheit zu sehen, ihn sowohl in seiner geistigen als auch in seiner irdischen Gestalt zu erschließen und im Licht dieses Gesamtbildes zu erkennen, was ihn schätzens- und liebenswert macht.» So Marjorie Spock von der Gruppe ‹Moralische Kunst› 1983.


Aus dem Englischen von Sebastian Jüngel.

Web
www.anthroposophy.org