Emeritierung von Johannes Kühl

Emeritierung von Johannes Kühl

28 Januar 2020 | Wolfgang Held

Johannes Kühl gab nach 23 Jahren Ende 2019 die Leitung der Naturwissenschaftlichen Sektion weiter; er war dienstältestes Mitglied der Goetheanum-Leitung. Im Sinne von ‹zuerst Anthroposophie, dann die Naturwissenschaft› engagierte sich der Physiker und Lehrer besonders für das anthroposophische Leben und seine Hochschule.


Vor den Mitarbeitenden am Goethe­anum schaute Johannes Kühl am Jahresende auf die Zeit seiner Sektions­leitung zurück. Er arbeitete als Student am Max-Planck-Institut in Göttingen (DE) und hatte dort mit sechs weiteren anthropo­sophisch interessierten Studenten und dem Direktor des Instituts, Ernst-August Müller, eine Studiengruppe zu Rudolf Steiners naturwissenschaftlichen Kursen.

Vom Experiment bis zur Meditation

Ernst-August Müller gehörte zum Kollegium der Naturwissenschaftlichen Sektion und berichtete seinen Studenten von deren Arbeit. «Was wir hier in Göttingen forschen, das ist Sektion.» An diesem Hinweis habe er, Johannes Kühl, erlebt, dass man Sektionsarbeit weit und international denken müsse.

Die drei Arbeitsrichtungen der Hochschule seien dann für ihn bestimmend geworden: Forschung vom Experiment bis zur meditativen Vertiefung, die Beziehung zu den Kollegen vor Ort und in aller Welt und schließlich die Repräsentanz der Anthroposophie. Dabei sei die Naturwissenschaftliche Sektion in der glücklichen Lage, über ein eigenes Forschungsinstitut zu verfügen.

Was Repräsentanz der Anthroposophie bedeute, habe er beispielsweise direkt zu Beginn seiner Arbeit am Goetheanum erfahren können: Johannes Wirz, Biologe in der Sektion, habe mit seinem Netzwerk von Biologen die Tagung ‹Ifgene› als einen Dialog von Spiritualität und Gentechnik veranstaltet. Es sei darum gegangen, die Beziehung zu Menschen, die in der Gentechnik und der Entschlüsselung des Genoms tätig sind, herzustellen. Im selben Jahr, 1997, hätte die große Bienentagung das ganze Goetheanum ‹summen› lassen.

Auch hinsichtlich der Forschung gab es eine lebendige Arbeit im Institut: So hat Jochen Bockemühl unter anderem Studien und Übungen zur imaginativen Landschaftserfahrung vorgestellt, und Georg Maier war intensiv mit Optik beschäftigt. Aus den Studien zur Genetik ist dann unter anderem das Buch von Craig Holdrege ‹Gegnetics and the Manipulation of Life – the Forgotten Factor of Context› entstanden. Wesentlich später erschien von Johannes Wirz die Arbeit ‹Saatgut – Gemeingut›, die Ideen aufzeigt, wie Naturwissenschaft das soziale Leben fördern kann. Er selbst habe zum Beispiel intensiv am Atmosphärischen der Farben, wie sie etwa im Regenbogen auftreten, und ihrer Beziehung zu Johann Wolfgang Goethes Farbenlehre gearbeitet.

In den letzten zehn Jahren konnte Matthias Rang die Arbeit an der Farbenlehre auf ein neues Niveau heben, was zu wichtigen Publikationen und zu mehreren Ausstellungen führte. In all diesen Forschungen hätten sich dabei Kontakte zum öffentlichen und zum akademischen Leben ergeben.

Zusammenarbeit und Wertschätzung

Während es vor einer Generation vor allem einzelne Persönlichkeiten waren, die Bedeutendes in der anthroposophisch inspirierten Naturwissenschaft geleistet haben, so falle es vermutlich heute leichter, in eine Zusammenarbeit und gegenseitige Wertschätzung zu kommen, wie dies die Forschungskolloquien ‹Evolving Science› der Sektion zeigten. Diese Kollegialität habe sich auch zu den anderen Sektionen im Hochschulkollegium und der jetzigen Goetheanum-Leitung mehr und mehr entwickelt.

Johannes Kühl hat dann seine Dankbarkeit ausgedrückt, dass er an dieser Entwicklung teilhaben und einen so großen Abschnitt seines Lebens für das Goethe­anum arbeiten konnte.

Wie bereits angekündigt werden ab Januar 2020 Matthias Rang und Johannes Wirz die Leitung der Naturwissenschaftlichen Sektion gemeinsam übernehmen.


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