Farbige, leuchtende Tongebilde

Farbige, leuchtende Tongebilde

22 Juli 2020 | Sebastian Jüngel

Der Schweizer Musiker und Komponist Josef Gunzinger (1920–1989) wirkte nach seinem Studium in Bern und Basel vor allem am Goetheanum und zuletzt auf Hawaii. Angelika Feind-Laurents stellt sein Leben überwiegend anhand von Erinnerungen von 18 Zeitgenossen und weiteren Dokumenten dar.


«Bei der Einstudierung war Gunzinger eine wunderbare Mischung von Sachlichkeit, spontaner Herzlichkeit, Konzentration und fast kindlich naiver Entdeckerfreude.» So beschreibt Felix Lindenmaier seine Erinnerung an Josef Gunzinger während einer Arbeit mit Gongs. Seine Liebe zur asiatischen Klangwelt ließ Josef Gunzinger Gongs aus Thailand und Myanmar in die Schweiz einführen.

Sein Leben beginnt im Solothurner Uhrendorf Welschenrohr. Durch das Hören einer Schallplattenaufnahme der neunten Symphonie von Ludwig van Beethoven begegnete der Jugendliche der klassischen Musik. Später hätte er gern alle neun Symphonien von Ludwig van Beethoven am Goetheanum aufgeführt und hatte erwogen, zur Finanzierung seines Vorhabens seine Villa in Dornach zu verkaufen (wozu es nicht kam). Doch zuvor führte ihn die Begegnung mit Hermann Scherchen erst einmal dazu, am Konversatorium in Bern und Basel Waldhorn, Klavier und Pauke zu studieren.

1946 begann seine jahrzehntelange Konzerttätigkeit am Goetheanum. Das Anliegen Josef Gunzingers war, Dichtung, Musik und Eurythmie zu verbinden, nicht zuletzt in eigenen Kompositionen. Einen ihrer Aspekte charakterisiert Christian Ginat so: «Immer wieder fällt die Farbigkeit und Leuchtkraft seiner Tongebilde auf.» Er komponierte Orchester-, Kammermusik- und Vokalwerke und schrieb Musik für die Eurythmie und für die Bühne.

Mit 60 Jahren zog er aus gesundheitlichen Gründen mit seiner Familie nach Hawaii. In dieser Zeit übernahm er die Leitung des Maui Symphony Orchestra. Außerdem gründete er eine biodynamische Gärtnerei. Wie als Vermächtnis dirigierte er ein Jahr vor seinem Tod das London Symphony Orchestra für die Einspielung seiner Musik zu den Mysteriendramen Rudolf Steiners.


Buch Angelika Feind-Laurents: Suche nach den Quellen der Musik. Josef Gunzingers Leben und Werk, 208 Seiten, Verlag am Goetheanum, 2020, 22 Euro / 25 Franken