Generalversammlung 2021

Generalversammlung 2021

27 März 2021 Sebastian Jüngel 1173 mal gesehen

Die Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposphischen Gesellschaft fand am 27. März 2021 erstmals digital statt. Es nahmen bis zu 380 Mitglieder aus rund 45 Ländern teil, davon ungefähr 270 auf dem deutschsprachigen Kanal und ungefähr 110 auf dem englischsprachigen Kanal. Der Vorstand wurde entlastet.


Die Generalversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft fand 2021 erstmals als digitale Veranstaltung statt. Geschuldet war diese Form den
behördlichen Maßnahmen zum Eindämmen der Verbreitung von Sars-CoV-2.

Live aus dem Schreinereigebäude am Goetheanum begrüßte aus dem Vorstand
Justus Wittich um 13 Uhr die Mitgliedschaft weltweit in ihren jeweiligen
Tageszeiten.

Sein Vorstandskollege Ueli Hurter nannte stellvertretend für die Aktiviäten am Goetheanum die Auseinandersetzung mit der Corona-Pandemie. Dazu gab und gibt es Vortragsreihen, die zunächst multiperspektivisch Ursachen und Umfeld dieser Pandemie herausarbeiteten. In einer folgenden Vortragsreihe werden dann auch Vorschläge für das gesellschaftliche Leben entwickelt.

Constanza Kaliks aus dem Vorstand entwickelte das Anliegen einer kosmopolitischen Gesellschaft. In dieser gehe es darum, die Andersheit des anderen zu bejahen, sie ‹erlauben› zu können und zu wollen, dass es sie gibt. Das Thema, gegen Rassismus vorzugehen, war und ist Thema in der Anthroposophischen Gesellschaft weltweit. Denn im Zentrum der Anthroposophie steht die Würde des Menschen. Grundsätzlich gehe es darum, die Innere Kraft der Mitte, die Besinnungskraft, das Richtige aus der Situation zu finden – aus Herzensgewissheit heraus.

Matthias Girke berichtete aus der Arbeit von Vorstand und Goetheanum-Leitung die Frage nach der ethischen Grundlage der Berufe. Besondere Aufmerksamkeit ist dabei der Aufgabe gewidmet, wie immer wieder neue Impulskräfte gewonnen werden können.

Justus Wittich ging auf die öffentliche Wirkung der Anthroposophie ein. In Deutschland wurden in öffentlichen Medien wurden immer wieder Beziehungen zwischen Protesten gegen Corona-Maßnahmen und Anthroposophinnen und Anthroposophen hergestellt.

Das Goetheanum ist ein Kulturort. Dazu gehört das Bewahren und Sichtbarmachen von Kulturgütern auf dem Campus. Stefan Hasler berichtete vom Umzug des Modells vom Ersten Goetheanum aus einer Werkstatt- in eine zukünftige Ausstellungssituation. Eine aktuelle Kunstausübung auf der Bühne ist zurzeit nicht möglich, daher gibt es keine Aufführungen des Goetheanum-Eurythmie-Ensembles. Ein filmischer Zugang gab Einblicke in die Arbeit an den Mysteriendramen von Rudolf Steiner am Goetheanum.

In den Darstellungen aus der Arbeit der Sektionen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Dabei geht um das Bereitstellen von Grundlagen der Hochschularbeit, etwa durch Neuherausgabe des Bandes 270 in der Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe.

Durch die Pandemiesituation wurden mehrere Arbeitsfelder deutlich. Dazu gehört die Bedeutung der Begegnung von Mensch zu Mensch im gemeinsamen physischen Raum. Dabei geht es nicht zuletzt um die wechselseitige Wahrnehmung, an der gerade junge Menschen wachsen. Ist dies nicht möglich, stellt sich die Frage, wie sich die Qualitäten auf andere Weisen erreichen lassen. Dabei zeigt sich: Es geht nicht ohne das Pflegen von Beziehungen.

Corona macht dabei nicht zuletzt auf die Beziehung zum weiteren Umfeld, auf die Natur aufmerksam. Ist sie für einen Objekt, ist die Beziehung anders, als wenn sie als Wesenhaft-Lebendiges gesehen wird. Daher ist das Verständnis der menschlichen Sinne und ihrer Aufgabe für die Wahrnehmung der Welt wichtig.

Auch der Blick auf sich selbst bestimmt die Beziehung nach außen. Das führt zurück zur Frage nach den Grundlagen der Hochschularbeit. Ein aktiver Aspekt ist das Pflegen einer künstlerischen Tätigkeit.

Freiheit gegenüber eigenen Bindungen, Freiheit anderen zugestehen, dadurch findet die Anbindung an die kosmopolitische Zielsetzung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft statt.

Den Schatzmeister beschäftigte 2020 die Frage: Wie kommen wir als Anthroposophische Gesellschaft finanziell durch dieses Corona-Jahr? Es gibt eine Spannung zwischen Nichtdurchführenkönnen gerade auch großer Veranstaltungen durch behördlich verfügte Schließung auch des Goetheanum (wodurch Einnahmen fehlen) und zusätzliche finanzielle Unterstützung auf verschiedenen Ebenen wie beispielsweise Spenden und Legate.

Ein Ordnungsantrag zum Verschieben des statuarischen Teils auf die angekündigte Generalversammlung am 11. September 2021 wurde von 348 Mitgliedern mit 56 Ja-Stimmen, 255 Gegenstimmen und 37 Enthaltungen abgelehnt.

Die Jahresrechnung 2020 wurde von 350 Mitgliedern mit 318 Ja-Stimmen, 10 Gegenstimmen und 22 Enthaltungen angenommen.

Der Vorstand wurde von 339 Mitgliedern mit 302 Ja-Stimmen, 15 Gegenstimmen und 22 Enthaltungen entlastet.

Die Wahl der Revisionsstelle wurde von 342 Mitgliedern mit 307 Ja-Stimmen, 3 Gegenstimmen und 32 Enthaltungen bestätigt.

Ueli Hurter dankt seitens des Vorstand für die Abstimmungen.

Beim Totengedenken wurden stellvertretend für die anderen verstorbenen Mitglieder Leben und Wirken des Arztes Giancarlo Buccheri (durch Georg Soldner, Co-Leiter der Medizinischen Sektion am Goetheanum) und des Bühnenkünstlers und Autors Wilfried Hammacher (durch Stefan Hasler, Leiter der Sektion für Redende und Musizierende Künste) gewürdigt.

Constanza Kaliks schließt die Generalversammlung mit guten Wünschen und im Bewusstsein, dass Mitglieder aus 45 Ländern teilgenommen haben.