«In der Beziehung verankert»

«In der Beziehung verankert»

24 März 2021 Sebastian Jüngel 2163 mal gesehen

Der Regisseur Benedikt Schulte stellt die Anthroposophische Medizin in der Kurzfilmreihe ‹Die Kunst des Heilens› vor. Sie fängt die Praxis ein, lässt medizinische Fachkräfte, Forschende und Studierende sowie Patientinnen und Patienten zu Wort kommen und zeigt Hintergründe der Anthroposophischen Medizin auf.


«Wir müssen eine Medizin entwickeln, die wirklich ein ganzes Spektrum an Möglichkeiten bietet, aus der dann die Ärzte und die Eltern im jeweiligen Zusammenhang das auswählen, was wirklich jetzt gerade gut ist.» Mit diesen Worten umschreibt der Kinderarzt David Martin, Professor für Medizintheorie, Integrative und Anthroposophische Medizin an der Universität Witten/Herdecke, Deutschland, einen der Ausgangspunkte der Anthroposophischen Medizin. Er ergänzt: «Um das zu machen, muss man gut wahrnehmen, gut fühlen können, gut bei sich und beim anderen sein, gut in der Beziehung verankert sein – und daraus kann eine gute Medizin entstehen.» Matthias Girke verweist zudem auf den Ansatz, von der individuellen Wahrnehmung der Patientin, des Patienten auszugehen, um den jeweiligen Heilbedarf zu ermitteln und ihm zu entsprechen. Er ist Leiter der Medizinischen Sektion am Goetheanum und Co-Produzent der Filmreihe ‹Die Kunst des Heilens›.

Die Anthroposophische Medizin stellt die Frage nach dem Gesundwerden ins Zentrum und entwickelt Therapiekonzepte, die den menschlichen Organismus aktivieren. Grundlage dafür sind ein Menschenbild, das Friedrich Schiller in die Worte fasst: «Es ist der Geist, der sich den Körper baut», und das Ziel, den ganzen Menschen zu behandeln. Dafür haben die Ärztin Ita Wegman und Rudolf Steiner vor 100 Jahren die Grundlagen gelegt.

Die Bandbreite der Anthroposophischen Medizin reicht vom Notfall über die Hausarztpraxis bis zur Kunsttherapie. Es gibt Kliniken mit intensivmedizinischen Abteilungen wie die Covid-19-Station des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe, Berlin, Deutschland, sowie ambulante ärztliche, pflegerische und therapeutische Praxen. Die sieben, jeweils rund viertelstündigen Episoden der Filmreihe ‹Die Kunst des Heilens› führen in den integrativen Ansatz dieser Medizin ein und stellen exemplarisch Arbeitsgebiete wie Kinderheilkunde, Onkologie, Pharmazie sowie Forschungsthemen wie Fieber bei Kindern vor. Wegen der während der Filmarbeiten geltenden Einschränkungen infolge der Sars-CoV-2-Pandemie konzentriert sich die Dokumentation auf die Anthroposophische Medizin in Deutschland und der Schweiz.


Filmporträt (sieben Folgen) ‹Die Kunst des Heilens›

Im ‹Goetheanum› 7/2021 ist ein ausführlicher Artikel zum Film erschienen.

Titelbild: Screenshot aus dem Kurzfilm ‹Die Kunst des Heilens›