In Farbe überführen

In Farbe überführen

24 Februar 2021 Robert Wróblewski 1713 mal gesehen

Seit der Deckenmalerei für das Erste Goetheanum wird vor Ort an der Herstellung von Pflanzenfarben geforscht. Zuletzt richtete Robert Wróblewski 2015 das Pflanzenfarben­labor am Goetheanum wieder ein. Hier untersucht er die Wirkung von Metalldünger auf Vitalität und Lichtechtheit der Farben und rekonstruierte die Herstellung von Maya-Blau.


Vergleiche ich Bilder, die mit Pflanzen­farben gemalt worden sind, mit Bildern aus Acrylfarbe, so erlebe ich eine größere Lebendigkeit bei den Pflanzenfarben: Sie wirken erfrischend und vitalisierend und lassen eine größere Weite und Tiefe erleben. Daher sind Pflanzenfarben bei Künstler/inne/n und in der Kunsttherapie so geschätzt. Eine möglichst hohe Lichtechtheit ist jedoch nur bei wenigen Pflanzen natürlicherweise gegeben.

Düngen mit Metallen

Das Pflanzenfarbenlabor am Goethe­anum untersucht daher, wie sich Lichtechtheit erhöhen und die Farbpalette verbreitern lassen. Inzwischen konnten erste Pigmente hergestellt werden. Sie wurden nicht durch Änderungen im Laborprozess hergestellt, sondern durch das ‹Düngen› von Färberpflanzen mit Metallen.

Nehmen wir Färberkrapp: Rubia tinctorum, lateinisch für ‹Röte der Färber›, ist eine traditionelle Färberpflanze, deren Wurzeln roten Farbstoff enthalten. Farben aus Krapp besitzen je nach Herstellungsart verschiedene Rottöne.

Ich habe Krapppflanzen mit Kupfer und mit Eisen gedüngt. Die ersten Experimente 2016 zeigten zunächst, dass diese Pflanzen später keimen und sich die Formen der Wurzeln je nach Düngung ändern. Insbesondere gewann ich aber unterschiedliche Farbtöne:

• Aus kupfergedüngtem Krapp gewonnenes Rot wirkt wärmer, leicht bräunlich;

• aus eisengedüngtem Krapp gewonnenes Rot wirkt kälter.

So habe ich nun – zusammen mit der ungedüngten Pflanze – drei Krapp-Pigmente zur Verfügung. Beide Metallvarianten zeigen eine sehr gute Lichtbeständigkeit. Bei der Eisenprobe war die Intensität des Farbenanstrichs am besten.

Grundlage Indigo

Die Rezeptur zur Herstellung des be­sonders leuchtenden Maya-Blaus war im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts in Ver­gessenheit geraten. Der Archäologe Raymond Edwin Merwin entdeckte es auf Wandmalereien in der Tempelstadt Chichén Itzá in Yucatán (Mexiko) 1931 wieder. Eingesetzt wurde dieses Blau von den Mayas darüber hinaus für Keramiken und Bücher. Wie lässt es sich nach historischen Angaben rekonstruieren?

Grundlage für das Maya-Blau ist Indigo. Natürliches Indigo kann aus verschiedenen Färberpflanzen gewonnen werden. Es wurde in Asien (Kaukasus) und Europa aus Färberwaid (Isatis tinctoria) sowie in Asien (Indien), Afrika und Amerika aus der Pflanze ‹Indigofera tinctoria› hergestellt.

Im Gegensatz zu anderen pflanzlichen Extrakten ist Indigo weder öl- noch wasserlöslich und somit unmittelbar als Pigment benutzbar. Da es in den Pflanzen aber als farblose Enolform (Indoxylglukosid) vor­­liegt, muss es durch Fermentation und anschließende Luftoxidation erst in seine farbige Form überführt werden. Reines Indigo aus Indigofera tinctoria gibt immer schwarz-blaue Töne. Ein reineres, helleres Blau erzielt man durch Mischung mit dem Mineral Attapulgit und anschließender Erwärmung.

Dafür braucht man keine speziellen Laborgeräte – und man benutzt auch keine giftigen Substanzen. Die Kosten der Materialien sind niedrig. Mit diesem Verfahren kann das Indigo ganz einfach durch Künstler/innen oder im Chemieunterricht an Waldorfschulen hergestellt werden.

Weiterverarbeitung zu Maya-Blau

Im Gegensatz zum stumpf-dunkelblauen Indigo ist Maya-Blau ein türkis leuchtendes Pigment, das sich durch eine außerordent­liche Lichtbeständigkeit auszeichnet. Es bereichert die im Blauspektrum sonst kleine Farbpalette der Pflanzenfarben.

Das Maya-Blau lässt sich also unter anderem auf drei Wegen herstellen:

• Aus den Komponenten Indigo und einem Mineral, die dann auf mindestens 100 Grad Celsius erwärmt werden;

• mittels Alkali und Reduktionsmittel wird Indigo-Pulver in eine wasserlösliche Form gebracht, das dann gelöschte Indigo – bis hierhin eine gelbe bis gelbgrüne Flüssig­keit – wird mit dem Mineral Attapulgit gemischt;

• die Blätter der Indigopflanze oder vom Färbewaid werden mit Attapulgit und Wasser gemischt und mittels Alkali und Reduktionsmittel weiter aufbereitet.

Die Farbe aus dem Färberwaid ist etwas heller in Vergleich zur Indigopflanze. Das liegt auch daran, weil der Gehalt des Indigofarbstoffs im Vergleich mit Indigofera tinctoria viel kleiner ist. Der Farbton aus Waid und aus der Indigopflanze aus Mexiko ist etwas grünlicher, während das Pigment aus der Indigopflanze aus Indien einen warmen Farbton hat.

Wird das Pigment nur mit Attapulgit gemischt, halten sich Anstriche nicht so gut wie bei der zweiten Methode. Diese ist aber ebenso im Unterricht in Schulen oder auch für Kunsttherapie gut einsetzbar. Mit einer Mischung mit dem Baumharz Kopal wird die Farbe lichtechter. Bei der zweiten Methode bekommt man ein Türkis, das mit dem der Kunstwerke der Maya-Kultur vergleichbar ist. Das Pigment ist noch lichtresistenter.

Als Nächstes soll einer Angabe von Rudolf Steiner zur Beeinflussung der Kris­tallisation im Zusammenhang des Her­stellungsprozesses mit Giftpflanzen nachgegangen werden. Auch hier werde ich vor allem die Lichtechtheit prüfen. Wenn die Ergebnisse überzeugen, werden mehr Pflanzen für die Herstellung von Pflanzenfarben zur Verfügung stehen.


Das Pflanzenfarbenlabor gehört zur Sektion für Bildende Künste und wird von Torsten Arncken, Naturwissenschaftliche Sektion, begleitet.

Kontakt
pflanzenfarbenlabor@goetheanum.ch