Maria St. Goar

Maria St. Goar

31 Januar 2019 | Edward St. Goar

Maria St. Goar hat vor allem durch die Übersetzung von über 50 Büchern sowie Vorträgen und Broschüren wesentlich zur Verbreitung der Anthroposophie im englischsprachigen Raum beigetragen. Diese Werke stammen hauptsächlich von Rudolf Steiner, aber auch von Emil Bock und Sergei O. Prokofieff.


Ihr Vater Fritz Karsch lehrte Deutsch an der Universität in Matsue (JP); von ihm hat sie ihren großen Sinn für Humor und ihre philosophische Neigung. Ihre Mutter Emmela Karsch vermittelte ihr einen tiefen religiösen Glauben und eine ernste Lebenseinstellung. Maria, ihre Eltern und ihre Schwes­ter Friederun Christa Karsch lebten während des Zweiten Weltkriegs in Japan.

Maria hatte eine begrenzte formale Schulbildung und wurde in Japan hauptsächlich von ihrer Mutter zu Hause unterrichtet. Maria hatte einen unersättlichen Drang zu lesen. Mit zwölf Jahren begann sie, Anthroposophie zu studieren, zunächst mittels Büchern über das Alte und Neue Testament von Emil Bock. Schließlich beherrschte sie drei Sprachen (Deutsch, Englisch, Japanisch), was zu ihrer zukünftigen Übersetzungsarbeit führte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Maria Karsch zutiefst scho­ckiert, als sie von den Gräueltaten unter Adolf Hitler in Deutschland erfuhr. Denn tief im Inneren hatte sie Deutschland als ihre spirituelle Heimat angesehen. Sie kehrte nach dem Ende des Lehrauftrags ihres Vaters nicht mit ihrer Familie nach Deutschland zurück.

Sie wurde Dolmetscherin beim Internationalen Kriegs­verbrechertribunal. Dann heiratete sie und kam 1949 in die USA. Ihre erste Ehe endete kurz darauf, bis sie 1954 wieder heiratete, diesmal Herbert St. Goar, einen ehemaligen deutschen Flüchtling, der kurz vor dem Krieg 1938 in die USA gekommen war. Er wurde später US-Bürger, diente bis nach Kriegsende im Geheimdienst der US-Armee und arbeitete dann als Geschäftsführer in Chattanooga, Tennessee.

Maria St. Goar zog 1954 nach Chattanooga und trat der Anthroposophical Society in America bei. Das Paar lebte dort fast 50 Jahre, bis Herbert, der sie bei ihrer Übersetzung und anderen anthroposophischen Bemühungen unterstützt hatte, 2004 starb. In diesen Jahrzehnten zog Maria St. Goar zwei Kinder auf und besuchte regelmäßig in Deutschland ihre Verwandten. Anfang der 1970er-Jahre traten andere Anthroposophen in ihr Umfeld. Der Kontakt mit diesen anderen isolierten Mitgliedern in den südöstlichen Staaten führte zu einem ständig wachsenden Gruppenleben.

Die Sommer-Konferenz 1975 in Spring Valley (New York, US) wurde zum Beginn von Maria St. Goars Übersetzertätigkeit. Ab 1989 wurde sie zusätzlich Vermittlerin der Ersten Klasse für Tennessee, Georgia und Alabama, wo die Mitgliedschaft zu wachsen begann.

Maria St. Goars Charakterstärke und ihre Verbundenheit mit anderen Menschen werden in Erinnerung bleiben. Ihre Stärke kam aus dem Studium von Rudolf Steiners Werk, das sie nun über die Schwelle in die spirituelle Welt be­gleitet.


Aus dem Englischen von Sebastian Jüngel.