Ninetta Sombart

Ninetta Sombart

01 März 2019 | Sebastian Jüngel

Die Begegnung mit Ninetta Sombart reichte tief. Sie vereinte in sich Ernst und Humor, Offenheit, Direktheit und wirkte doch zuweilen verschlossen. Sie war gern mit Kindern zusammen, war gesellig. Sie erlebte sich aber auch als einsam.


Geboren wurde sie am 2. Mai 1925 in Berlin (DE). Ihr Vater Werner Sombart (1863 – 1941) war Professor für Nationalökonomie, seine erste Frau, mit der er vier Töchter hatte, verstarb 1920. Zwei Jahre später heiratete er Corinna Leon, Mutter des zwei Jahre älteren Bruders Nikolaus und von Ninetta Sombart. Von ihrer Mutter lernte sie die russisch-orthodoxe Kirche kennen, später wurde sie protestantisch konfirmiert.

Vorerst zeigte sich ihr zeichnerisches Talent im Lyceum. Nach dem Abitur begann sie ein Architekturstudium, nach dem Tod ihres Vater 1941 folgte sie ihrer nach Bad Kösen (DE) evakuierten Mutter und arbeitete in einem Heim für schwer erziehbare Jungen. Nach Kriegsende porträtierte sie Soldaten, arbeitete als Plakatmalerin und heiratete 1947 den Landschaftsmaler Wilhelm Bruckner. Sie zogen in die USA und gründeten eine Familie mit vier Kindern.

Um etwas Geld zu ver­dienen, malte sie ein Bild, das Folgeauf­träge und Reproduktionen in Form von Kunstdrucken auslöste. Ihre Bilder im Stil des magischen Realismus und Surrealismus fanden Käufer und Förderung von Salvador Dalí. Eine Erschöpfung führte sie Anfang der 1960er-Jahre in die Ita-Wegman-Klinik (CH) – ein neuer Lebensabschnitt begann.

Spirituelle Verankerung

Ninetta Sombart wurde Werbeleiterin bei der Pratteler Maschinenfabrik Buss (CH) und gewann Freiräume für ihre malerische Tätigkeit. Ab ihrer Pensionierung 1987 wurde sie freie Malerin. Sie entwickelte eine eigene Lasurtechnik mit Öl- und Acrylfarben. Wiederum fanden ihre Bilder in Form von Postkarten und Kunstdrucken eine weite Verbreitung.

Ninetta Sombart war beim Malen Wahrheit wichtiger als Schönheit – und so konnte es passieren, dass sie ein Bild wieder übermalte. Vor allem ist sie als Malerin christlicher Motive und von Altarbildern für die Christengemeinschaft bekannt. Auch mit dem Weltgeschehen setzte sie sich auseinander – die Dramatik ihrer Bilder spricht davon.

Schon als Zwölfjährige hatte sie Kontakt zum später berühmten rumänischen Dirigenten Sergiu Celibidache, mit dem sie über Reinkarnation sprach und den Satz aufnahm: «Lügen macht dich für die geistige Welt unsichtbar, dein Engel wird ohnmächtig, und du stehst ohne ihn da.»

Ninetta Sombart las viel in den Vorträgen Rudolf Steiners, über Religion und Kunst sowie Märchen aus aller Welt. In ihrer Bibliothek fanden sich aber auch Cartoons. Sie war eng verbunden mit dem Goethe­anum, etwa im Zweig und durch Ausstellungen, sowie mit der Christen­gemeinschaft.


Aufruf Für eine Ausstellung suchen die Kinder von Ninetta Sombart Fotos ihrer Bilder in Privatbesitz – bitte mit Vermerk, ob die Bilder für die Ausstellung ausgeliehen werden können.

Kontakt
Philip Bruckner, Holbeinstraße 89, 4051 Basel, Schweiz, philip@bruckner.ch

Buch
Volker Harlan: ‹Ninetta Sombart. Leben und Werk›, Stuttgart 2004. Werke (Auswahl) www.pinterest.ch/helenavdnest/...
Interview von Jona­than Stedall mit Ninetta Sombart www.youtube.com/watch?v=_8DQd3...
Quellen Persönliche Eindrücke, Peter Bruckner und Rolf Herzog, dessen ausführlicher Nachruf im ‹Goetheanum› Nr. 7/2019 (in Deutsch) erschienen ist.