Premiere ‹Herzschlag›

Premiere ‹Herzschlag›

31 Januar 2019 | Ronald Templeton

Am 29. Dezember hatte das erste Programm des neuen Goetheanum-Eurythmie-Ensembles ‹Heartbeat – Herzschlag – Latir del corazón› Premiere.


Vor dem Beginn ‹begrüßte› einen der nach einem Entwurf von Rudolf Steiner neu gestaltete, dreiteilige Vorhang von Philip Nelson. Nach dem Dunkelwerden fiel das Scheinwerferlicht auf das Ensemble, das zunächst vor dem neuen Vorhang, auf dem Proszenium, das Motiv des Vorhangs, das I A O, eurythmisierte. Innig und still, wie aus dem Keimenden geboren, entfalteten sich Motive aus der Genesis; dann gesellten sich deutsch-, englisch- und spanischsprachige Texte hinzu. Allmählich verwandelte sich die Bühne, indem der lichtdurchlässige Bühnenvorhang Teil des Geschehens wurde. Was sich nun entfaltete, war eine allmählich farbiger werdende Palette von Dichtungen, eine von Mona Doosry komponierte, bis in die Gegenwart führende Textcollage. Die Musik des zeitgenössischen Komponisten James MacMillan gestaltete die Übergänge.

Reise durch Seelenlandschaften

Das Programm erzählte vom dreiglied­rigen Menschen auf seiner Reise durch Seelen­landschaften, eurythmisch und mittels Beleuchtung dargestellt. Es ver­dichtete sich bald der Eindruck, hier sei eine har­monische Gemeinschaft von Künstle­rinnen und Künstlern am Werk, die die Einzel­heiten fein aufeinander abgestimmt und die Solis gemäß dem besonderen Können der Solis­ten gestaltet haben. Dennoch konnte bei der fließenden, pausen­losen Entfaltung des Programms beim Zuschauer ganz leicht ein Gefühl der Atemlosigkeit aufkommen. Dann merkte ich, dass ich den Faden der Erzählung irgendwann verlor und vergebens nach einer Besinnungspause, nach einem Kontrapunkt suchte.

Dieser Eindruck trat zurück, als eine letzte Komposition von James MacMillan den fulminanten Schluss bildete. Der ein­setzende Applaus mit stehenden Ova­tionen zeigte, wie das Publikum diesen neuen Griff schätzte, wie das einfühlsame Können des Lichtkünstlers Ilja van der Linden, der Sprachgestalterinnen Tamara Chubarovsky, Sarah Kane und Barbara Stuten sowie die Musik der Camerata Da Vinci mit Hartwig Joerges zu einem erlebbaren Gesamtkunstwerk geworden waren.


Web: www.goetheanum-buehne.ch