René Piamonte

René Piamonte

21 September 2020 | Jean-Michel Florin & Ueli Hurter

René Piamonte war ein wichtiger Impulsgeber der biodynamischen Bewegung in Südamerika. In Kolumbien geboren, war er in ganz Südamerika zu Hause. Er studierte von 1981 bis 1985 an der Universität von São Paulo (BR). Auf einem Ifoam-Kongress 1992 in Brasilien begegnete er Patricia Flores, die er später heiratete. Sie gründeten eine Familie.


René Piamonte hat als biodynamischer Berater und Ausbilder unermüdlich Menschen, Höfe und Projekte begleitet und unterstützt. Ihm war wichtig, dass Menschen zusammenkommen, um zusammen zu wachsen. So hat er an der Gestaltung der jährlichen südamerikanischen Tagungen mitgewirkt.

Fest für die Erde

Ihm war die Beziehung zur ganzen Welt und zur Arbeit der Sektion für Landwirtschaft wichtig. Bei der Landwirtschaftlichen Tagung 2018 am Goetheanum hat er einen reichhaltigen Vortrag über die Präparate gehalten, basierend auf seinen Erfahrungen in allen Regionen und Klimazonen von Südamerika.

Mit René Piamonte war die biodynamische Landwirtschaft immer ein Erlebnis, das über die Hände, den Kopf und besonders über das Herz vermittelt wurde. Er wusste die Herzen der Menschen zu treffen und die bio­dynamische Landwirtschaft als Fest für die Erde zu gestalten. Er war zudem ein wacher Sinnesmensch, was in Fotoserien, mit denen er seine Vorträge unterstützte, Ausdruck fand.

Zugleich war er ein tief suchender und sinnender Mensch. Vielleicht blieb diese Seite seines Wesens eher etwas verborgen. Aber es gab Momente in seinen Vorträgen und in Gesprächen, in denen eine tiefe Verankerung seiner Seele im Kern des biodynamischen Impulses und in der Anthroposophie gleichsam aufschimmerte. Die Erde als der Schauplatz des Ringens des Menschen um sein leibliches und gleichzeitig um sein geistiges Brot war ihm eine klare Vision.

Lokal-globaler Brückenbauer

Der Mensch urständet nicht im Irdischen, sondern seine ursprünglich kosmische Geistigkeit hat im Durchgang durch das Irdische eine freiheitlich-michaelische Dimension zu erringen. Diese Freiheit kann nur Realität werden, wenn der Mensch – individuell und auf seine Art und Weise – die Erde auf seinem Weg mitnimmt. Diese michaelische Haltung ist eine wesentliche Verbindungsbrücke zwischen konkreter Biodynamik und der geistigen Lebensorientierung durch die Anthropo­sophie. René Piamonte war Mitbauer an dieser Brücke.

Mit seiner Frau hat er sich für die Gründung und Entwicklung des peruanischen biodynamischen Vereins sowie für die Fortbildung von Beratern in Südamerika engagiert. Zudem bauten sie in Peru eine eigenständige biodynamische Ausbildung auf. René Piamonte war in der Vollblüte seines Wirkens.

Der biodynamische Impuls und das Goetheanum wollen kosmopolitisch sein. Dazu braucht es konkrete Menschen aus den außereuropäischen Kulturen, die dies tragen können. René Piamonte war Träger dieser lokal-globalen Polarität.


Vorlage: Jean-Michel Florin und Ueli Hurter, Goetheanum; ergänzt durch Angaben bei Ifoam und LinkedIn