Sichtbare Architektur und unterirdische Wasserbecken

Sichtbare Architektur und unterirdische Wasserbecken

29 Juli 2020 | Sebastian Jüngel

Handlicher und in weiteren Sprachen hat der Verlag am Goetheanum den Goetheanum-Führer von Hans Hasler neu herausgegeben. Das Taschenbuch macht mit Gebäude, Funktion, Geschichte und der Umgebung des unter Denkmalschutz stehenden Monumentalbaus vertraut.


Mancher sieht in der Ferne das große Gebäude und fragt sich: Was ist das eigentlich: ein Museum, eine Kirche? So ähnlich ging es auch dem Jugendlichen Hans Hasler Ende der 1950er-Jahre. Bei einer Wanderung erblickte er – durch einen Feldstecher – in der Hügelkette gegenüber das Goetheanum. Später wurde der Heilpädagoge Sekretär der Medizinischen Sektion am Goetheanum für den Bereich Heilpädagogik und Sozialtherapie und kehrte nach einem ‹Zwischenspiel› in einem Camphill-Heim in Finnland als Leiter der Bau-Administration des Goetheanum-Baus zurück. Von dieser Aufgabe her kennt er fast jeden seiner Winkel.

Hans Hasler erschließt das Gebäude in seinen Grundstrukturen und stellt sichtbare Besonderheiten wie organische Formen und ‹Reliefs› aus farbigem Glas als Fenster ebenso vor wie ‹verborgene› Elemente der Haustechnik. Dazu gehören zwei unterirdische Wasserbecken, die als Löschwassertank, für die Toilettenspülung und für die Kühlung der Luft im Großen Saal dienen.

Zusätzlich zur Architektur beschreibt Hans Hasler das Leben in diesem Gebäude mit zwei großen Bühnen. Hier ist der Sitz der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft mit elf Fachsektionen. Sie verbinden Menschen aus Berufen in Kunst, Landwirtschaft, Medizin, Pädagogik und anderen Gebieten und tragen dazu bei, die Beziehung zwischen dem Kosmos, den Menschen und dem Leben auf der Erde zu pflegen.

Aus Finnland, wo der Schweizer inzwischen lebt, blickt er auf das Goetheanum weniger als Gebäude. Er verfolge nun mehr «die Entwicklungen am Goetheanum». Hat er die Übersetzungen der Neuausgabe auf Deutsch, Französisch, Russisch, Chinesisch und Japanisch beziehungsweise der ersten Ausgabe auf Englisch, Finnisch, Italienisch und Spanisch auch gelesen? Hans Hasler schmunzelt. Nicht alle – immerhin beherrscht er viele der genannten Sprachen …


Buch Hans Hasler: Das Goetheanum. Eine Führung durch den Bau, seine Umgebung und seine Geschichte, 176 Seiten, Verlag am Goetheanum, 12 Euro / 15 Franken