Sozialstudie ‹(Re)Search›: Ableger in Südamerika

Sozialstudie ‹(Re)Search›: Ableger in Südamerika

26 Oktober 2020 | Mayumi Matsumiya

Seit 2017 untersucht ein Team junger Forscher/innen der Jugendsektion am Goetheanum, was es bedeutet, in unserer Zeit jung zu sein. Nun gibt es eine weitere Forschungsgruppe, die die Sozialstudie ‹(Re)Search› in lateinamerikanischen Ländern durchführt, um so die Reichweite zu erweitern.


Seit 2017 untersucht ein Forscherteam der Jugendsektion am Goetheanum, was es bedeutet, in unserer Zeit jung zu sein (‹Anthroposophie weltweit› Nr. 12/2017) und führte dafür weltweit Interviews mit Menschen vom Schulalter bis zu jungen Erwachsenen. Im Juli 2020 wurde in Lateinamerika eine neue Arbeitsgruppe von ‹(Re)Search› eingerichtet, um in einem ersten Schritt die Reichweite der Untersuchung um neue soziale, kulturelle und politische Zusammenhänge zu erweitern. Bei dieser Gelegenheit bezieht das ‹(Re)Search›-Team mehr Stimmen von jungen Menschen ohne Verbindung zur Anthroposophie mit ein, sowie von Menschen, die weder die Schule noch eine höhere Ausbildung abgeschlossen haben. Es geht auch hier darum, einen Ort für junge Menschen zu schaffen, an dem sie ihre Ideen zum Jungsein von heute austauschen und artikulieren können.

Raum für Ideen der Jugend von heute

Die Interviews in Lateinamerika werden von Guadalupe Olaizola, Mayumi Mat­sumiya und Rocío Ferrera unter Anleitung und Begleitung des Teams der Jugendsektion am Goetheanum durchgeführt. Die meisten Teilnehmenden werden auf sehr organische Weise durch Empfehlung oder durch Schulen und Organisationen, die sich für das Projekt interessieren, kontaktiert. Aufgrund der Covid-19-Pandemie werden einige dieser Interviews online durchgeführt. Diese Online-Interaktionen ermöglichen es, das Netzwerk der Befragten auf den ganzen Kontinent auszudehnen.

Bilder: Guadalupe Olaizola und Rocío Ferrera; Fotos: z.V.g.


Durch den anthroposophischen Ansatz können die Methoden der traditionellen Forschung erweitert werden. Das gemeinsame Interview wird so zu einer aktiven Zuhör-Übung, die sowohl für den Interviewer als auch für den Befragten eine transformative Erfahrung sein kann. Die besondere Art und Weise, tiefergehende Fragen zu stellen – die letztlich als eine Art Lebenskompass dienen können – setzt eine Reihe neuer Einsichten in Bewegung und schafft nicht vorher­sehbare Bindungen zwischen den beiden Beteiligten.

Aus meiner persönlichen Sicht waren die Teilnehmenden bei den Interviews in Brasilien bereit, sich jemandem zu öffnen, der echtes Interesse an dem zeigt, was sie zu sagen haben. Das Gespräch stellt eine Art von menschlicher Verbindung wieder her, nach der sich viele junge Menschen gerade in diesen schwierigen Zeiten sehnen.

Klare Absichten

Viele der neu befragten jungen Menschen haben klare Absichten und sind bereit, sich aktiv in der Welt einzubringen, auch wenn sie sich manchmal von eben dieser Welt entmutigt fühlten. Sie stoßen sich am traditionellen Karrierestreben und können gleichzeitig offen über das, was sie bedrückt, oder über ihre Ängste sprechen. Sie wünschen sich eine gleichberechtigtere Gesellschaft mit fairem Zugang zu Bildung, mit Chancengleichheit und wirksamen Lösungen für Umweltfragen. Wenn sie gebeten werden, sich die Zukunft vorzustellen, können sie darstellen, was die Welt verbessern würde, und sie wollen das umsetzen. Ermutigung zu fördern und einen Raum frei von Urteilen oder Erwartungen zu schaffen, in dem man seine eigenen Ideen frei entwickeln kann, sind wertvolle Schritte, um mit der Gestaltung der Realität zu beginnen, die wir uns alle wünschen.


Aus dem Englischen von Sebastian Jüngel.

Web: Youth Section/research