Traute Lafrenz Page

Traute Lafrenz Page

29 Mai 2019 | Virginia Sease

Traute Lafrenz Page feierte am 3. Mai ihren 100. Geburtstag. Sie ist in jedem Sinne bei guter Gesundheit. Während des Dritten Reiches war sie Mitglied der Widerstandsgruppe ‹Weiße Rose›.


Sie ist die ein­zige Überlebende (siehe ‹Being human›, Frühjahr 2019). Sie erhielt zu ihrem 100. Geburtstag den Verdienstorden 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Das Auswärtige Amt schreibt dazu auf Twitter: «Sie gehört zu den wenigen, die den Mut hatten, sich gegen die Verbrechen der Nationalsozialisten aufzulehnen.» 1947 zog sie von Deutschland nach San Francisco (US), um ihre medizinische Ausbildung weiterzuführen. Danach ging sie nach Chicago.

Ruhe, Einsicht, Erfahrung

Traute Page zeigte Wärme, menschliches Verständnis und bei vielen Gelegenheiten Humor. Sie leistete bedeutende Beiträge während einer Umwandlungszeit in der Anthroposophi­schen Gesellschaft in Amerika. Seit den späten 1970er-Jahren war die Arbeit auf drei Regionen aufgeteilt, jede bildete einen ‹Council›. Die regionalen Councils bildeten einen nationalen Council: für den Westen René Querido und Virginia Sease, den Mittelwesten Traute Page und Werner Glas, den Osten Dietrich von Asten, Henry Barnes und Carlo Pietzner.

Als sich der nationale Council erstmals im Februar 1981 im Zentrum der Anthroposophischen Gesellschaft in New York City traf, war gleich das erste Thema dringlich: New York hatte für das Gebäude den Status Gemeinnützigkeit aberkannt; dies bedeutete eine jährliche Steuer von etwa 20 000 Dollar. Der Landesvorstand entschied, das Haus zu verkaufen. In dieser Situation zeigte Traute Page Ruhe, Einsicht in die Empfindungen der Mitglieder und Erfahrung mit Regierungsbelangen.

Diese schwierige Entscheidung wurde an der Generalversammlung im Mai 1981 vor die Mitglieder gebracht; der Council lud den Vorstand am Goetheanum ein, an der Generalversammlung und der Tagung ‹Herzen beginnen, Gedanken zu haben› teilzunehmen. Vor der Generalversammlung trafen sich Council und Vorstand, um auf die Zukunft der Anthroposophie im Westen zu blicken. Heute leben von diesem ersten Gesamt-Council noch Traute Page und die Autorin; sie konnten die Entwicklungen und Metamorphosen in der anthroposophischen Arbeit seit diesem entscheidenden Moment vor 38 Jahren verfolgen.

Teilnahme an Wendepunkten

Traute Pages Aufgaben für die Gesellschaft umfassen auch ihre Zeit als Co-Generalsekretärin Ende der 1980er-Jahre bis ins folgende Jahrzehnt hinein. Bis vor Kurzem besuchte sie regelmäßig das Goetheanum; so bleibt sie mit der weltweiten Arbeit verbunden.

Dieser Rückblick soll auch ein Dank an Traute Page sein für ihre Arbeit mit der Ersten Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, die viele Menschen – jung und alt – inspiriert hat. Es ist eine große Freude, von Herzen Geburtstagsgrüße und gute Wünsche an eine besondere Person zu richten, deren Leben wesentliche Wendepunkte des 20. Jahrhunderts bis ins 21. Jahrhundert umfasst.