Wie setze ich den nächsten Schritt?

Wie setze ich den nächsten Schritt?

07 November 2021 Wolfgang Held 223 mal gesehen

Wolfgang Held von ‹Das Goetheanum› sprach mit den Eurythmistinnen und Eurythmisten der Goetheanum-Bühne während der Proben zur Inszenierung ‹Achterwind›.


Entdecken, eröffnen, entscheiden und die künstlerischen Fähigkeiten untersuchen, das stand am Anfang des Eurythmie-Projekts ‹Achterwind›. Jenseits der klassischen Arbeitsteilung von eurythmischer Regie und eurythmischer Gruppe auf die künstlerische Suche zu gehen, das habe schon länger als Wunsch bestanden, erzählen sechs Eurythmistinnen und Eurythmisten des Goetheanum-Eurythmie-Ensembles. Von anderen Eurythmiegruppen kennen sie solche gemeinschaftliche Suche nach dem künstlerischen Ausdruck oder haben auch daran teilgenommen. Dann war da mit einem Mal die Einladung der Ensembleleitung, selbst ein künstlerisches Projekt zu entwickeln. Das Schöne dabei, so Rafael Tavares, sei gewesen, dass es keine inhaltlichen Vorgaben, keine personellen Verabredungen gab. Offener hätte es nicht sein können. Sie entdeckten, so Nicolás Prestifilippo, dass sie für dieses eurythmische Suchen und Finden keinen Primus inter Pares, keinen Verantwortlichen unter sich finden mussten, sondern dass sie aus der Gemeinschaft eine Gemeinschaft bildeten. «Welche Themen, welche Ideen leben denn unter uns? Das haben wir uns gefragt», erzählt Martje Brandsma.

Das Ensemble v. l.: Hartwig Joerges, Nico Prestifilipo, Martje Brandsma, Rafael Tavares, Barbara Stuten, Christine Prestifilipo, Shengtzi Lee, Marianne Dill. Foto: W. Held

Wenn es magisch wird

Nicolás Prestifilippo: «Wir wollten herausfinden, welche tieferen Fragen in uns leben und nach Antworten rufen, unabhängig davon, ob sich das in Eurythmie setzen lässt. Dann fragten wir nach den Mitteln, nach Musik, nach Texten, die uns hier helfen könnten. Da kam eine Kiste voll mit Material zusammen: über die Menschenwürde, über die Dinge, die wir im Leben verlieren …» Wie wird aus diesem Ideenpool eine künstlerische Gestalt? Indem jeder und jede aus diesem Rohstoff ein eigenes Skript für ein Bühnenprojekt entwickelt, eine eigene Geschichte erzählt! «So sind sechs Welten entstanden, durch die wir uns dann gegenseitig führten», so Christine Prestifilippo. «Wir sind uns gegenseitig tiefer begegnet, denn wir erfuhren, welche Schätze in den anderen liegen.» Marianne Dill: «Ja, es lebten die Ideen der anderen in mir, sodass das Gespräch miteinander auch dann stattfand, wenn wir gar nicht zusammen waren. Es entstand ein inspiratives Feld!» Für Martje Brandsma ist es das Phänomen, dass jemand der Gruppe etwas ausspricht, das sie selbst schon fühlte, aber nicht in Worte fassen konnte. Spielt es hier eine Rolle, dass Eurythmistinnen und Eurythmisten sich ja auch leiblich gut kennen? Rafael Tavares: «Es ist nicht selbstverständlich, dass Eurythmisten, weil sie sich zusammen bewegen, sich deshalb auch kennen. Wir können uns auch durchaus aneinander vorbeibewegen. Aber hier ist es tatsächlich anders. Der gemeinsame Prozess war so fruchtbar, dass das nötige Vertrauen entstanden ist. Gleichwohl ist richtig, dass wir uns nicht nur über den Gedanken, sondern auch über die Bewegung verstehen. Das war manchmal magisch: Martje oder jemand anderes der Gruppe begann einen Satz und ich konnte ihn innerlich vollenden.»

Dieser Text ist ein Auszug aus einem Artikel, der in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› veröffentlicht wurde. Sie können den vollständigen Artikel auf der Website der Wochenschrift lesen.

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Nächste Aufführung Sonntag 21.11.2021, 11.00 Uhr.

Web Goetheanum Bühne