Wie vertiefen wir unsere Beziehung zu den Elementen und Ätherarten?

Wie vertiefen wir unsere Beziehung zu den Elementen und Ätherarten?

19 Februar 2021 Johannes Kühl 989 mal gesehen

In der aktuellen Ausgabe des ‹Goetheanum› spricht Johannes Kühl, emeritierter Leiter der Naturwissenschaftlichen Sektion über die verschiedenen Elemente und deren Fortsetzung in den Ätherarten hinauf zum Lebensäther.


Anders als der Landwirtschaftliche Kurs oder Vorträge Rudolf Steiners zu Pädagogik und Medizin hat die Beschäftigung mit den Elementen und Ätherarten zunächst keine praktische Bedeutung und ist doch für ein anthroposophisches Studium wichtig. Die Lehre von den vier Elementen reicht zurück zur alten griechischen Philosophie vor Aristoteles. Rudolf Steiner hat in neuer Weise seit 1906 immer wieder darüber gesprochen, zunächst im Zusammenhang mit seiner Idee der Evolution in vier planetarische Zustände ‹Saturn›, ‹Sonne›, ‹Mond› und ‹Erde›.

Einen Höhepunkt bilden die Vorträge ‹Die Evolution vom Gesichtspunkte des Wahrhaftigen› (GA 132, 1911), die wie esoterische Stunden zu den Elementen empfunden werden können. Später, 1921, gibt er im Zweiten Naturwissenschaftlichen Kurs (GA 321) Physikstunden dazu. Dann werden sie als bedeutend für den Unterricht in der Oberstufe beschrieben (GA 302, 18.6.1921). Schließlich finden wir sie 1924 als Inhalt der Meditation in den sogenannten Klassenstunden.

Beginnend mit Guenther Wachsmuth 1923, haben auch die naturwissenschaftlich orientierten Schüler Rudolf Steiners daran gearbeitet. Sieben Publikationen gibt es und es scheint, als würde jede Generation ihren eigenen Zugang dazu erarbeiten. Es ist ein Schulungsthema zur Vertiefung der Welt- und Selbsterkenntnis.
Die Reihe der Elemente und Ätherarten: Lebensäther, Chemischer Äther (Klangäther), Lichtäther, Feuer Wärme, Wärmeäther, Luft Gasförmiges, Wasser Flüssiges, Erde – Festes.

Zu den Elementen

Erde – das Feste
Feste Gegenstände behalten ihre Form. Sie kann beliebig sein, wie bei einem Klumpen Ton, oder spezifisch, wie bei einem Kristall. Allerdings: In geologischen Zeiträumen werden auch Steine verformt. Wo findet man wirklich Festes? In der Art unserer Vorstellungen: Man erwartet Festes, Bleibendes. Auch wenn man die Stoffe, Flüssigkeiten und sogar die Gase als aus Teilchen bestehend vorstellt, ist das die Folge daraus, sich alles als Festes vorzustellen. – Das gilt auch im übertragenen Sinne, etwa, wenn wir uns von einem Menschen eine feste Vorstellung machen.

Wasser – das Flüssige
Das Wasserelement hat nur eine einzige ihm zugehörende Form, den Tropfen. In Verbindung mit Festem kann es nahezu jede Gestalt annehmen. Wenn möglich bildet es eine glatte Oberfläche, wie eine Abwandlung der Tropfenoberfläche, unendlich vergrößert. Hier geht das Wasser durch die Schwere eine Beziehung zur ganzen Erde ein. Klares Wasser ist sichtbar, wir erkennen es an der spiegelnden Oberfläche, ähnlich, wie wir eine feuchte Stelle auf der Straße bemerken. Spiegeln bedeutet eine bestimmte Beziehung zur Umgebung: Das Wasser nimmt diese Beziehung auf, die meisten festen Stoffe bleiben dagegen nahezu beziehungslos zu ihrer Umgebung.

Noch wichtiger als die Form ist für dieses Element das Strömen. Da entfaltet das Wasser seine verbindende und gestaltende Kraft: Im Oberlauf eines Flusses im Gebirge finden wir schnelle, sprudelnde und abwechslungsreiche Strömung, das nährstoffarme Wasser nimmt Schwebstoffe, Geröll und Gestein mit, die Landschaft wird durch Erosion gestaltet, kleinräumig und lokal. An der Mündung dagegen stehen wir am breiten, langsam daherfließenden Fluss, der dem Meer entgegenströmt und sich so mit der ganzen Erde vereint. Auch hier wird Landschaft gestaltet, jetzt durch Ablagerung von Sedimenten. – Zwischen diesen Polaritäten finden wir den rhythmisch mäandrierenden Flusslauf, auch hier Landschaft gestaltend. In diesem Sinne ist der Flusslauf ein dreigliedriger Organismus. Dabei folgt das Wasser dem Flussbett, bildet dieses aber um; es gestaltet und wird gestaltet.

Was entspricht dieser Geste im Innern? Man wird auf die Denktätigkeit geführt: Jeder Gedanke ist Bewegung. Wenn wir etwas verstehen wollen, bewegen wir uns innerlich von einem zum anderen, ‹umkreisen es› mit unseren Gedanken. Einerseits führen wir aktiv die Gedanken, Denken ist immer schöpferisch, wie das strömende Wasser gestaltend, andererseits folgen wir Gesetzmäßigkeiten, wie das Wasser dem Flussbett. Auch hier gibt es die polaren Qualitäten: Man denkt konzentriert über ein Problem – oder man verschafft sich einen Überblick über ein Thema.

Dieser Text ist ein Auszug aus einem Artikel, der in der Wochenschrift ‹Das Goetheanum› veröffentlicht wurde. Sie können den vollständigen Artikel auf der Website der Wochenschrift lesen.

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Das Goetheanum · Ausgabe 8 · 19. Februar 2021

Illustration: Elementarfigurinen, Nina Gautier, Digitale Collage, Aquarell auf Papier mit fotografischen Elementen, 2020